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29. Mai 2012, 00:27 Uhr

Die Atzen

Die Atzen, das sind hauptsächlich der Berliner Rapper Frauenarzt alias Vincente de Teba Költerhoff und der ebenfalls aus Berlin stammende DJ Manny Marc alias Marc Schneider. Zwar haben die beiden inzwischen auch andere Musiker und Rapper wie Kid Millenium, Evil Hectorr, Spade, Major, Smoky und Sady K. um sich geschart, doch allgemein meint man Frauenarzt und Manny Marc, wenn man von Die Atzen spricht.

Frauenarzt alias Vincente de Teba Költerhoff

Frauenarzt alias Vincente de Teba Költerhoff

Der Begriff Atze selbst stammt aus dem Altberlinerischen und bedeutet in etwa großer Bruder. Inzwischen bezeichnen sich so jedoch hauptsächlich bunt gekleidete und ausgelassen grölende Partygänger in ganz Deutschland. Angestoßen haben diesen Trend Frauenarzt und Manny Marc alias Die Atzen.

DJ Manny Marc alias Marc Schneider

DJ Manny Marc alias Marc Schneider

Manny Marc und Frauenarzt gründeten bereits 1997 gemeinsam die Straßengang Berlin Crime (BC) und ein Jahr später das Underground-Label Bassboxxx. 2006 folgte das Label Ghetto Musik, welches schließlich im Jahre 2008 in Atzen Musik umbenannt wurde.

Eine waschechte Atzenparty

Eine waschechte Atzenparty

Während Manny Marc sich künstlerisch immer etwas mehr im Hintergrund hielt und sich selbst als DJ und nicht als Rapper sieht (obwohl er seit dem Album „Berlin bleibt Untergrund“ regelmäßig auf Tracks mit zu hören ist), hat sich Vincente de Teba Költerhoff alias Frauenarzt schon Anfang der 2000er-Jahre mit pornografischen und frauenfeindlichen Texten als Skandalrapper einen Namen gemacht. Seine Veröffentlichungen „Untergrund Solo Vol. 2“ wurden 2004 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert, die Alben „Porno Party“ und „Tanga Tanga 2003“ folgten ein Jahr später.

Mit den Atzen herrscht auf der Tanzfläche Krieg

Mit den Atzen herrscht auf der Tanzfläche Krieg

Die gemeinsamen Alben der beiden wie „Berlin bleibt Untergrund“, „Hart an der Grenze“ sowie „Feiern mit den Pleitegeiern“ wurden jedoch genau wie Manny Marcs Soloveröffentlichungen kaum von einem größeren Publikum wahrgenommen, sondern blieben Geheimtipps einer kleinen Szene. Die Soloalben von Frauenarzt dagegen erfuhren allgemein eine größere Resonanz. Insbesondere seine beiden Alben „Der Untergrundkönig“ und „Dr. Sex“ brachten ihm einige Publicity. Als die Videosingle „Brennt den Club ab“ (vom Album „Dr. Sex“) im Musikfernsehen bundesweit ausgestrahlt wurde, erfuhr die Karriere von Frauenarzt einen gewaltigen Schub.

Mit den Atzen geht die Party ab

Mit den Atzen geht die Party ab

Gleichzeitig musste sich Vincente de Teba Költerhoff jedoch vermehrter Kritik an seinen frauenfeindlichen und pornografischen Texten aus den Reihen der Politik stellen. Es folgten weitere Indizierungen und Beschlagnahmungen nach diversen Anzeigen. Frauenarzt selbst rechtfertigte seine Texte damit, dass sie lediglich seine subjektive Wirklichkeit widerspiegeln würden, welche nun mal aus Berliner Bordellen und Saufpartys sowie dem Umfeld und Leben in der Berliner Straßengang Berlin Crime bestünde.

Mann Marc heizt den Fans ein

Mann Marc heizt den Fans ein

All die Kritik, Beschlagnahmungen und Indizierungen gingen nicht spurlos an Frauenarzt vorüber. Er wie auch sein Partner Manny Marc spielten damals mit dem Gedanken, die Karriere als Rapper bzw. DJ an den Nagel zu hängen. Der deutsche Schlagersänger Alexander Marcus brachte die beiden schließlich mit dem Label Kontor Records in Kontakt. Darüber veröffentlichten die beiden den Sampler „Atzen Musik Vol. 1“. Stilistisch entfernten sie sich damit stark von ihren bisherigen Veröffentlichungen. Die instrumentalen Parts waren elektronischer als bisher und auf Schimpfwörter wurde konsequent aufgrund der negativen Erfahrungen mit Indizierungen verzichtet. Die erste (zusammen mit Alexander Marcus) eingespielte Single „Florida Lady“ wurde ein Achtungserfolg, doch der große Erfolg kam erst 2009 mit der Videoauskoppelung „Das geht ab!“. Der Song schlug zwar nicht ein wie eine Bombe, der eingängige Ohrwurm entwickelte nach seiner Veröffentlichung jedoch ein Eigenleben und wurde im Laufe der folgenden Wochen zu einer Standardparole für viele Partygänger. Der Song fand schließlich sogar Eingang in den Berliner Fußballverein Hertha BSC, wo ihn die Fans in leicht abgeänderter Version rauf und runter sangen. Daraufhin entschloss sich das Label Kontor Records, den Song als Single zu veröffentlichen. Das war der Funke, der die Bombe zündete. Kaum veröffentlicht, verbreitete sich „Das geht ab!“ wie ein Lauffeuer, erreichte Goldstatus und machte Frauenarzt und Manny Marc zu echten Popstars. Plötzlich waren auch Live-Auftritte von Frauenarzt und Manny Marc überaus begehrt. Besonders auf Mallorca erfreute sich „Das geht ab!“ allergrößter Beliebtheit und so reisten Manny Marc und Frauenarzt zu ihren ersten Auftritten in der Discothek Riu Palace auf die Partyinsel Malle. „Das geht ab!“ war im Sommer 2009 einer der größten Hits in den Discotheken von Palma und natürlich im Riu Palace, wo die beiden exklusiv live auf der Bühne standen. In Deutschland erreichte „Das geht ab!“ sogar Platz 8 der Singlecharts.

Die Atzen rocken das RIU Palace auf Mallorca

Die Atzen rocken das RIU Palace auf Mallorca

Zu ihrem neuen Image als Popstars und Partysänger passte das alte Outfit ihrer früheren Platten nicht mehr. Dort hatten sie sich als düstere, bewaffnete Prollrapper präsentiert. Mit zunehmendem Erfolg von Atzen Musik wurden ihre Outfits bunter und abgedrehter.

Ausrasten und Eskalation - das ist bei den Atzen Programm

Ausrasten und Eskalation – das ist bei den Atzen Programm

Frauenarzt blieb seinem Image als Skandalrapper jedoch noch zum Teil treu. So veröffentlichte er gemeinsam mit dem Berliner Rapper Blokkmonsta das Album „Untergrund“. Eine Verurteilung wegen Gewaltdarstellung und pornografischer Gewaltdarstellung im Jahre 2009 für seine Alben „Porno Mafia“ und „Geschäft ist Geschäft“ zementierten seinen Ruf als böser Junge. Er wurde zu einer Geldstrafe von 8.400 Euro verurteilt und gilt damit seither als vorbestraft.

Die Atzen machen Party

Die Atzen machen Party

Vincente de Teba Költerhoff jedoch nahm es gelassen und veröffentlichte mit Marc Schneider Anfang 2010 lieber die nächste Single von Atzen Musik, nämlich „Disco Pogo“. Etwa um diese Zeit herum wurde aus Frauenarzt und Manny Marc endgültig Die Atzen, als die man sie heute auf Mallorca, aber auch in Deutschland kennt und liebt. Die Single „Disco Pogo“ indes wurde ein sogar noch größerer Erfolg als „Das geht ab!“. Sie stieg nämlich in den Wochen nach der Veröffentlichung bis auf Platz 2 der Singlecharts. Auch dieser Titel von Die Atzen erreichte Goldstatus.

Die Atzen live auf der Bühne

Die Atzen live auf der Bühne

Dabei ist die Entstehungsgeschichte von „Disco Pogo“ eine gänzlich außergewöhnliche. Vor der Veröffentlichung durch Die Atzen existierte nämlich auf YouTube ein Video mit dem Titel „Disco Pogo – Wir dreh’n ab!“. Die Urheber des Videos sollten später noch bekanntgegeben werden. Im Internetradio-Sender Technobase.fm führte schließlich eine fehlerhafte Anmoderation zu einer beinahe schicksalshaften Wendung. Dort hieß es nämlich, das Video „Disco Pogo – Wir dreh’n ab!“ sei eine Nachfolgesingle zu „Das geht ab!“ von Die Atzen. Zu jenem Zeitpunkt war dies allerdings schlichtweg falsch. Die Atzen bekamen davon jedoch Wind und entschlossen sich, aufgrund der hohen Popularität der Single im Internet, den Titel „Disco Pogo“ tatsächlich aufzunehmen und zu veröffentlichen. Von der ursprünglich im Internet als Video veröffentlichten Version (die in Wahrheit von den Seaside Clubbers, Ricky Rich und Tom Pulse stammte) wurden der Titel, der Einleitungssatz und einige Textstellen übernommen.

Die Atzen live im RIU Palace

Die Atzen live im RIU Palace

Fotos: Zeno Bresson

 

 Hier noch das passende Video:




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Zeno Bresson arbeitet seit Jahren als Fotograf. Über die klassische Studioarbeit über Aktaufnahmen und Outdoor-Shootings ist er auch im Bereich der Konzert- und Eventfotografie tätig. Er arbeitet als freier Fotograf für verschiedene Auftraggeber sowie für die Bildagentur WENN Ltd.

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